Women for Women


Interview mit Christina Stahl

Co-Founder AMELI ZURICH


04. März 2022

Über Christina Stahl
Gestartet mit einer Karriere in der Beratung hat Christina nach einiger Zeit Ihre eigene Firma gegründet. Als Co-Gründerin von AMELI ZURICH ist Christina für die unterschiedlichsten Bereiche Ihres Unternehmens verantwortlich und das kreative Herz hinter den Designs der funktionellen (Business) Taschen Marke. Mit Ihrer Marke setzt Sie sich für die Rechte der Frauen ein und unterstützt den Austausch von Frauen untereinander. Neben Ihrer eigenen Firma arbeitet sie an Ihrer Doktorarbeit.

Was hast Du heute gemacht?
Heute Morgen hatten wir eine Lehrbetriebsprüfung, weil unsere jetzige Praktikantin die Ausbildung bei uns anfängt. Das war mein Highlight des Tages und ich bin sehr erleichtert, dass es geklappt hat. Es gilt viele neue Dinge zu beachten, mit denen wir uns vorher nicht beschäftigt haben. Den restlichen Tag haben wir gearbeitet.

Bist Du aktuell im Büro anzutreffen?

Unser Büro ist aktuell unsere Wohnung. Das Zimmer, in dem ich sitze, ist der Büroraum und es sind bis eben Kunden vorbei gekommen.

Ist es schwierig das Büro in der Wohnung zu haben? Gönnst Du Dir trotz dessen auch Freizeit oder arbeitest Du mehr, da aufgrund des Standortes die Arbeit ununterbrochen präsent ist?

Das werde ich oft gefragt. Ich kenne es nicht anders, da meine Eltern selbständig sind, ist die Arbeit immer präsent gewesen. Im Studium hatte man auch keine Wochenenden. In der Beratung wurde abends im Hotel wieder der Laptop rausgeholt und weitergearbeitet. Ich kenne nicht das „typische Arbeiten“ morgens zu starten und ab einem bestimmten Zeitpunkt Feierabend zu haben. Was man nicht kennt, vermisst man auch nicht, aber ich merke schon, dass ich ab und zu meine Auszeit brauche und dann an die frische Luft gehe, um den Kopf frei zu bekommen.

Du bist eine totale Powerfrau. Woher nimmst Du Deine Kraft?

Ich glaube, die Außenwahrnehmung unterscheidet sich von der eigenen Wahrnehmung. Da ich sehr kritisch mit mir selbst bin, würde ich mich nicht als Powerfrau bezeichnen. Fühle mich aber natürlich geschmeichelt.

Mein Treiber ist es, dass ich eine sehr starke intrinsische Motivation habe zu lernen. Ich freue mich am Ende des Tages, dass alle Mitarbeiter Feierabend gemacht haben und ich die Website neu programmieren kann. Sowas ist dann vielmehr ein Hobby, als dass es für mich Arbeit ist. Da ich viel Freude daran habe, etwas dazu zu lernen und mehr zu machen, brauche ich für die Aktivität nicht viel ‘Disziplin’, es gibt mir Energie, mich zu entwickeln und zu lernen. Hobby und Arbeit verschwimmen daher oft.

Auf LinkedIn ist zu lesen, dass Du Firmen beraten hast bevor Du Deine eigene Firma gegründet hast. Konntest Du Dein Wissen aus der Beratung für Deine eigene Firma nutzen?

Ich habe sehr viel in der Beratung gelernt und ohne diese Erfahrung sowie das kollegiale Umfeld würde ich aktuell mit AMELI nicht dort stehen, wo wir heute sind. Durch die Beratung habe ich gelernt, eine Methodenkompetenz aufzubauen und dass jedes Problem irgendwie gelöst werden kann.

Wie es zu der Gründung kam: Neben meiner Arbeit an AMELI schreibe ich an meiner Doktorarbeit. Während einer Schreibblockade hat mein Partner und Ehemann vorgeschlagen, dass wir meine Idee von kompromisslosen (Business) Handtaschen Realität werden lassen sollten. Während der Tätigkeit in der Beratung nimmt man sich keine Zeit, um solchen Ideen Raum zu geben.

Die Idee war nie mit viel Risiko verbunden, weil wir gesagt haben, wir probieren es mal aus. Somit hatte die Idee eine Art „Leichtigkeit“, welche mir geholfen hat, Risiken einzugehen und schneller Fahrt aufzunehmen. Es bestand nie der Anspruch „alles perfekt“ zu machen, dadurch haben wir es uns erlaubt Fehler zu machen und sehr schnell Dinge umzusetzen.

Ihr habt zu zweit gegründet. Wie kam es dazu? Hättest Du auch alleine gegründet?

Wir haben im Mai 2020 entschieden, dass wir unser Projekt ausprobieren wollen und im Oktober 2020 gelauncht. Im Dezember 2020, nachdem ich super viel gearbeitet habe, sah ich auf meine Jahresziele zurück und habe festgestellt, dass ich sie nicht umgesetzt habe, einfach weil AMELI nicht in meiner Planung stand.

Es war nie mein Ziel zu gründen, da meine Eltern selbständig sind. Dies war etwas, was für mich nicht in Frage kam. Dadurch, dass mein Mann, der auch aus der Beratung kommt, gesagt hat „Komm, wir probieren es einfach“, hat es sich nach und nach mehr entwickelt. Darüber hinaus habe ich auch immer gesagt, dass ich nicht mit meinem Mann zusammenarbeiten kann (lach). Aber wir haben aktuell eine gute Aufgabenteilung gefunden, bei der wir nur die übergeordneten Themen gemeinsam behandeln, aber nicht mit den unterschiedlichen Arbeitsweisen konfrontiert werden. Dadurch, dass jeder von uns seine eigenen Bereiche hat, glaube ich, dass die unterschiedlichen Arbeitsweisen sich sehr gut ergänzen. Da mein Mann im Bereich Finanzen sehr genau und detailliert ist, während ich vielleicht eher schnell ‘voran presche’, haben wir eine gute Balance gefunden.

Ich hätte nicht alleine gegründet und ich bin sehr froh, dass man nicht immer alles planen kann und es im Leben anders kommt als gedacht. Daher bin ich sehr glücklich darüber, dass wir AMELI haben.

Welche Bereiche übernimmst Du bei Ameli und welche Dein Mann?

Alles, was man sehen kann, mache ich. Dazu gehören die Website, die Kommunikation, das Branding, das Design der Taschen und das Marketing. Mein Mann übernimmt Aufgaben, die nicht offensichtlich sichtbar sind, wie die Themen Operations, Finanzen, Lohnabrechnung und Logistik.

Wieviel Personen seid Ihr jetzt im Team?

Wir sind aktuell 11 Personen bei AMELI inklusive unserem Hund Maya ;)

Auf LinkedIn hast Du gesagt, dass Deine Motivation ist zu lernen und zu wachsen. Was ist für Dich wichtig im Leben?

Für jeden sind wahrscheinlich unterschiedliche Dinge wichtig im Leben. Bei mir persönlich ist es etwas zu lernen und einen Sinn bzw. Mehrwert in den Dingen die ich tue, zu sehen. In der Beratung habe ich beispielsweise sehr viel Methodik gelernt, im Start-up dann mehr wie man aus Fehlern lernt ;) Es motiviert mich ungemein zu wissen, dass wir mit AMELI dazu beitragen, Frauen zu fördern z.B. indem wir einen Anteil unseres Gewinns spenden. Zu wissen, dass meine Taten zu einer besseren Welt beitragen und ich etwas bewirken kann, ist mir wichtig.

Nimmst Du Dir Auszeiten? Wenn ja, welche?

Ich ziehe sehr viel Energie aus meiner Arbeit, welche mir einen Sinn gibt. Programmiere auch gerne die Website. Darüber hinaus mache ich natürlich auch andere Dinge wie mit dem Hund spazieren gehen, Yoga oder mich mit Freunden treffen. Ich versuche, an dem sozialen Leben teilzuhaben und etwas für meine mentale und physische Gesundheit zu tun und nicht ausschließlich vorm Computer zu sitzen.

In der kommenden Woche ist der International Women`s Day. Was ist Dir persönlich wichtig in Bezug auf Women Empowerment?

Wichtig ist zum einen, eine Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen zu schaffen und dies sollte nicht nur in unserer sehr privilegierten Welt angepackt werden, sondern auch in anderen Ländern. Das Thema ist ein sehr großes Thema und wir versuchen in kleinen Schritten zu unterstützen und Einfluss zu nehmen.

Hinzukommend versuchen wir mit unserer Community Frauen bzw. Business Frauen zu unterstützen, zu vernetzen und auch mit anderen Frauen als Gesprächspartnerinnen Anregungen zu bieten, Neues zu lernen. Ich bin einem Mentoring Programm beigetreten, in welchem sich Frauen gegenseitig unterstützen. Auch habe ich einige Mentorinnen, ohne die ich nicht dort wäre, wo ich bin. Frauen sollten mehr an sich selbst glauben und sich gegenseitig unterstützen. In diesem Bereich gibt es noch viel zu tun.

Ein ganz anderes Thema. Wie stylst Du Dich gerne?

Grundsätzlich mag ich es zeitlose, elegante und schlichte Mode zu tragen. Dafür bietet der Business Look eine tolle Möglichkeit. Ein Business Kostüm mit hohen Schuhen sieht schick aus und war während meiner Beratertätigkeit mein tägliches Outfit. Mit dem Outfit bin ich selbstbewusst und glaube an das, was ich schaffen kann. Kleidung hat somit eine große Wirkung auf mich, welche mich auch empowered.

Mein aktueller Look ist eher nicht repräsentativ (lach). Im Team haben wir heute darüber gesprochen, dass in vielen Modeunternehmen ein Druck besteht, sich geschmackvoll zu kleiden. Dies ist bei uns nicht der Fall. Da wir bei uns zu Hause unser Büro haben, habe ich nicht das Gefühl, dass ich mich schön anziehen müsste. Mein Team sieht sofort, ob ich einen guten oder schlechten Tag habe. An einem normalen Tag sieht mich mein Team ohne Schminke, ohne BH, in einem gammeligen Pullover und einer Jeans ;). Das Outfit ist absolut basic, aber praktisch.

Ich finde es schön, sich gut anzuziehen, wenn ich Lust darauf habe. Das genieße ich sehr. Wenn ich mich mit Freundinnen treffe, bringt es mir Spaß mich zu stylen und schick anzuziehen.

Welche Farben trägst Du gerne?

Ich trage nicht gerne Farben. Ich habe gerne klassische Farben wie Schwarz und Naturtöne. Also alles, was man gut kombinieren kann. Zu Farben muss ich überredet werden. Mein Team macht mich dann auf Orange, ein grelles Grün oder Hellblau aufmerksam. Dann entsteht eine Verhandlung zwischen meinem Team und mir. Wir bekommen anschließend drei Standardfarben, die ich mag und eine farbige Tasche, die vom Team vorgeschlagen wird. Ich bin sehr dankbar, dass mich das Team aus meiner Komfortzone holt, da die Kundinnen sehr unterschiedlich sind und nicht jede Frau nur klassische Taschen tragen möchte. Die Mode ist aktuell sehr bunt und somit ist es immer eine Gratwanderung zwischen dem, was ich mag und dem, was ich mir vorstellen kann, was die Kundinnen mögen könnten. Ich hoffe, dahingehend auch weiterhin eine gute Balance zu finden.

Achtest Du bei Deiner Kleidung auf bestimmte Materialien?

Ich habe ursprünglich Fashion Management studiert, dies bedeutet, dass ich auf hochwertige Materialien mit einem zeitlosen Schnitt achte. Ich versuche, wenn möglich, keine stark extravaganten Teile zu kaufen.

Wenn ich bei Instagram gefragt werde, woher das Kleidungsstück kommt, muss ich gelegentlich antworten, dass das Design zehn Jahre alt ist oder ich es von meiner Mum habe.

Ich kann nicht sagen, dass ich nur Baumwolle, Seide oder Kaschmir trage. Was ich trage, hängt sehr stark von der Haptik ab, weil 100% Baumwolle nicht immer gleich 100% Baumwolle ist.

Was hast Du für dieses Jahr geplant?

Ich werde dieses Jahr 30 Jahre alt. Eigentlich habe ich eine 30 unter 30 Liste und müsste noch einiges vorher umsetzen, was ich vermutlich nicht schaffen werde.

Meine Jahresziele waren, etwas mehr Wasser zu trinken und Sport zu treiben. Diese würde ich gerne weiterhin umsetzen.

Unternehmen: AMELI ZURICH

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